Eine Herzensangelegenheit

Von Ralph Schippers, Ochtruper Tageblatt

 

Ob Fachwerk, Fundament oder Lastenaufzug: Umfangreich ist das Maßnahmen-Bündel, dass der Heimatverein, im Bild (v.l.) Heijo Plagemann, Hans Köning, Hermann Schaten und Bernhard Iking, jetzt angehen will, um Plagemanns Mühle wieder auf Vordermann zu bringen.

Ob Fachwerk, Fundament oder Lastenaufzug: Umfangreich ist das Maßnahmen-Bündel, dass der Heimatverein, im Bild (v.l.) Heijo Plagemann, Hans Köning, Hermann Schaten und Bernhard Iking, jetzt angehen will, um Plagemanns Mühle wieder auf Vordermann zu bringen. Foto: Schippers

 

Plagemanns Mühle steht eine umfangreiche Renovierung bevor. Mit einem Volumen von 38 000 Euro soll gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen erfolgen. Bei einem Rundgang durch die Mühle stellten Mitglieder des Vorstands die zu tätigenden Arbeiten vor.

Egal ob Burganlage, Kirche oder Adelssitz: Historische Gebäude haben permanenten Erneuerungsbedarf. Das ist auch bei der Kornwassermühle Plagemann nicht anders. Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble an der Vechte nahe dem Ortskern ist seit Mitte der 1980er-Jahre im Besitz der Gemeinde. Genutzt wird es indes vom Heimatverein – unentgeltlich. Im Gegenzug hält er es instand und betreibt ehrenamtlich ein Museum. „In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder kleinere Maßnahmen durchgeführt, um das Gebäude zu erhalten“, betont Bernhard Iking. Nun jedoch stehe – erstmals seit drei Jahrzehnten – eine umfassendere Sanierung an, so der Vorsitzende des Heimatvereins.

Auf rund 38 000 Euro Gesamtsumme addieren sich die Kosten der Maßnahmen für die Runderneuerung der „alten Dame“ Wassermühle, die nunmehr kurzfristig in Angriff genommen werden sollen. Möglich wird dies durch die Förderzusagen der „Gesellschaft zur Förderung gemeinnütziger Zwecke Kreis Steinfurt“ sowie der Denkmalförderung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Landrat Thomas Kubendorff überbrachte den Heimatfreunden jüngst während

ihrer Jahreshauptversammlung die guten Nachrichten (das Tageblatt berichtete). Insgesamt stehen dem Heimatverein auf dieser Schiene rund 12 000 Euro in Aussicht.

„Die verbleibende Differenz wollen wir durch Eigenleistungen erbringen“, erklärt Hermann Schaten, Vorsitzender des Mühlenausschusses. Und die Gemeinde? „Sie bringt über den Baubetriebshof im Bedarfsfall handwerkliche Unterstützung ein, kann uns aber aufgrund der Haushaltssituation finanziell nicht unterstützen“, sagt Beisitzer Hans Köning.

Dabei könnte der ehrenamtlich agierende Heimatverein auch monetäre Hilfe der Eigentümerin gut gebrauchen, stellt sich doch der Umfang der Renovierungsarbeiten recht groß dar. Nicht alles können die Heimatfreunde selbst erledigen. Bei bestimmten Arbeiten, wie zum Beispiel die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden am Fundament, müssen sie auf die Hilfe von Fachleuten bauen, wie Heijo Plagemann, Sohn des letzten Mühlenbesitzers Josef Plagemann, berichtet. Wasserspuren an den Grundsteinen im Bereich des Turbinenauslasses zum Beispiel erfordern detaillierte Ursachenforschung und fachmännische Beseitigung. Auch im Inneren sind Schäden am Mauerwerk zu sehen: Wasser drückt vom Turbinenschacht in den Keller. Plagemann: „Da muss genau geschaut werden, wie das zustande kommt und anschließend sorgfältig mit Bitumen ausgebessert werden.“

Eine weitere größere Maßnahme betrifft das Fachwerk im oberen Bereich der Außenfassade. Das ist zwar in einem besseren Zustand als das am Bahnhofsmuseum, benötigt jedoch auch dringend einen Neuanstrich. Technisch anspruchsvoll ist die Überholung der Turbinentechnik. Renovierungsbedürftig sind zudem der Elevator- und der Sackaufzug der Mühle. Viele weitere kleinere Maßnahmen, darunter die Abdichtung des Daches gegen Eindringlinge wie Dohlen, summieren sich insgesamt zu einem relativ hohen Arbeitsaufwand. Alle Projekte sind dabei im Vorfeld genauestens mit dem Denkmalamt durchgesprochen worden, betont Plagemann.

Die Renovierung bedeutet eine große Herausforderung für die Heimatfreunde. „Schließlich sind die meisten von uns auch nicht mehr die Jüngsten“, lacht Köning. Indes: Die alte Kornwassermühle, eines der bekanntesten Gebäude der Vechtegemeinde, liegt ihnen am Herzen. Und für „ihr“ Schmuckstück nehmen die Heimatfreunde die anstehende Arbeit gerne auf sich.