Heimat- und Brauchtumspflege

Albert Tietmeyer mit Wanderpreis geehrt - „Ich könnte noch laufend weitererzählen“

Von Dorothee Zimmer - Zeitungsgruppe Münsterland

 

 

Ehrung: Landrat Thomas Kubendorff (l.) verleiht Albert Tietmeyer den Wanderpreis für Heimat- und Brauchtumspflege.                                                                                            Foto: Dorothee Zimmer

 

 

Großer Bahnhof für Albert Tietmeyer am 30.03.2015 im Ackerbürgerhaus des Heimatvereins Metelen. Dem Heimatfreund und umtriebigen Geschichtensammler und -erzähler wurde im Ackerbürgerhaus von Landrat Thomas Kubendorff der Wanderpreis für Heimat- und Brauchtumspflege überreicht – in Würdigung seines Lebenswerkes.

 

Albert Tietmeyer hörte am Montagabend viele Lobreden. Landrat Thomas Kubendorff würdigte das jahrzehntelange Engagement des 84-Jährigen für die Heimatpflege, Bürgermeister Gregor Krabbe stimmte darin ein, ebenso der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernhard Iking, und die Kreisheimatpflegerin und Vorsitzende des Kreisheimatbundes, Reinhild Finke. Mit der Anerkennung und der gleichzeitigen Verleihung des Wanderpreises für Heimat- und Brauchtumspflege gewürdigt, reagierte der Preisträger mit Freude – und Erstaunen: „So viel Lob, damit habe ich nicht gerechnet. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.“ Stattdessen tauchte er noch einmal tief in die Geschichte Metelens ein, erzählte den Gästen im Ackerbürgerhaus viele kleine Episoden, die er schriftlich für die Nachwelt festgehalten hat.

 

Wenn es darum gehe, das bekannte er freimütig, nähme die zu seinen Ehren ausgerichtete Feierstunde wohl so schnell kein Ende: „Ich könnte noch laufend weitererzählen.“ Darauf nahm der Landrat in seiner ausführlichen Laudatio ebenfalls Bezug: „Sie haben das Leben aufgesogen und in Ihren Texten verarbeitet.“ Kubendorff lenkte den Blick zudem auf die aktive Teilnahme Tietmeyers am gesellschaftlichen Leben vor Ort: 35 Jahre wirkte er als Karnevalspräsident, 30 Jahre gehörte er dem Vorstand des Heimatvereins an, er war Ratsherr, Schöffe und Schiedsmann. „Ihre Leistungen haben Sie nie des Geldes wegen erbracht, sondern aus Idealismus und immer für die Sache selbst.“

 

Kreisheimatpflegerin Finke hatte der Kandidatur Tietmeyers – als Vorschlag auf den Weg gebracht vom Heimatverein Metelen – in vollem Umfang zugestimmt. In ihrem Urteil heißt es: „Die Zuerkennung ist in besonderem Maße empfehlenswert und ein kleiner Dank für die umfangreichen Leistungen im Heimatverein seines Wohnortes.“ Heimatvereinsvorsitzender Iking erklärte, dass Tietmeyer sich obendrein um die Neugestaltung des Mühlenmuseums, des Friduwi- und des Bahnhofsdenkmals verdient gemacht habe. Bürgermeister Krabbe bezeichnete den Preisträger als einen besonderen Menschen mit kreativer Kraft und herausragender Einsatzbereitschaft. „Wir in Metelen sind stolz darauf, einen solchen Bürger in unserer Mitte zu haben.“

 

 

 

Pättkesfahrer starten in die Saison

Text und Bilder von Josef Fleige

 

Mit einer Gedenkminute für die Opfer der Flugzeugkatastrophe eröffneten die Pättkesfahrer des Heimatvereins Metelen am 26. März ihre Fahrradsaison 2015. Dann fuhr man mit dem PKW und aufgesattelten Rädern in Richtung Olfen.

 

 

35 Teilnehmer radelten rund um die Steveraue. Hier konnte man von einer Aussichtsplattform Heckrinder und Konikpferde beobachten. Auch das Storchennest war schon besetzt. Weiter ging die Fahrt am Dortmund – Ems – Kanal und an der Lippe entlang zum Haus Rauschenberg, wo man eine herrliche Aussicht auf die Lippe hatte. Durch die Eversumer Heide wurde der Kreis geschlossen und im Kökelsumer Bauernkaffee war die Tafel reichhaltig gedeckt, auch im Hofladen konnte man sich versorgen.

 

 

Fazit: Eine gut vorbereitete Tour, vom Wetter sehr begünstigt. Ein Bild zeigt die Unterführung der Stever unter den Dortmund-Ems-Kanal, das andere den Hofladen von Schulze Kökelsum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Metelener Original "Tante Toni"

von Dieter Huge sive Huwe - Münstersche Zeitungsgruppe am 22.03.2015

 

Wenn im Ort die Rede auf „Tante Toni“ kommt, dann haben viele Metelener Anekdoten und Geschichten über die ebenso bekannte wie beliebte Wirtin beizutragen. Ihr westfälischer Humor und ihre ebenso herzliche wie zupackende Art lebt in den Erinnerungen weiter.

 

Antonia Bürger während der Ansprache von Kiepenkerl Albert Tietmeyer anlässlich der Vollendung ihres 80 Lebensjahres.

 

Lautes Gelächter schallt durch die Gaststube des Heidehotels. Drei Männer amüsieren sich prächtig, wärmen alte Geschichten auf, die sämtlich um „Tante Toni“ kreisen. Antonia Bürger hieß sie bürgerlich, doch kaum einer kannte sie unter ihrem wahren Namen. Die ebenso schlagfertige wie warmherzige Wirtin des Gasthauses Bürger lebt in zahlreichen Anekdoten fort. Und jeder am Tisch kann mindestens eine beisteuern. Allen voran Bernhard Herdering. „Ich bin ja in er Nachbarschaft groß geworden“, erzählt er von der stets unverheiratet gebliebenen Tante Toni, die die Gaststätte an der Ecke Kniepenkamp/Neutor vom Bruder übernommen hatte.

 

Unter dem Dach des alten Ackerbürgerhauses gab es auch noch einen kleinen Kolonialwaren-Verkauf, unter anderem mit Heringen aus dem Fass. „Wer wollte, konnte die auch sonntags bei ihr kaufen“, erinnert sich der frühere Nachbar. Und er beginnt zu erzählen, von Tante Toni, die – bereits weit jenseits der 50 – den Führerschein machen wollte. Etliche Dutzend Fahrstunden hatte sie schon hinter sich, als sie, ohne nach rechts oder links zu schauen, über den unbeschrankten Bahnübergang der Westfälischen Landeseisenbahn rauschte. Der Fahrlehrer stellte sie zur Rede und schlagfertig kam die Antwort: „Aber ich kenn doch den Fahrplan ganz genau. Und um diese Zeit kommt hier kein Zug lang!“ Typisch Tante Toni. Auf den Punkt genau und doch immer so, dass man es ihr nie übel nahm. „Sie war eine herzensgute Frau“, erinnert sich Herdering. „Und sie mochte die Kinder“, ergänzt Hermann Prüßner, der Zweite in der Runde.

 

Er gibt die Geschichte von Tante Toni beim Kartoffelsuchen zum Besten. Als sie des Suchens überdrüssig war, sagte sie, dass derjenige, der sie gepflanzt hatte, doch selber suchen sollte: „Er weiß doch auch, wo sie liegen.“ Typisch Tante Toni. Natürlich parlierte die Wirtin in Mundart – vermutlich aber nicht bei der Begegnung mit einem Beamten der Kreisverwaltung. Dieser tauchte eines Tages im Gasthaus auf und mahnte die Tante, das Haus doch an die örtliche Wasserversorgung anschließen zu lassen. Seine Begründung: Das Wasser aus dem Hausbrunnen zeige Messwerte, die es für die Zubereitung von Babynahrung ungeeignet machten. „Ach wissen Sie“, konterte die Wirtin – und spielte auf ihr fortgeschrittenes Alter an – „da brauche ich mir glaube ich keine Sorgen mehr zu machen.“ Typisch Tante Toni.

 

Klaus Grotheil sitzt auch mit am Tisch und weiß noch, dass die Wirtin eines überhaupt nicht mochte: Gäste, die bei ihr anschreiben lassen wollten. Denen erzählte sie stets die Geschichte, dass sie einen Vertrag mit Volksbank-Chef Heinz Tewes habe: „Der verkauft kein Bier und ich verleihe kein Geld.“ Typisch Tante Toni. Was aber nicht heißt, dass die Dame nicht geschäftstüchtig war. Her¬dering berichtet über einen Gast, der nur einen 50-Mark-Schein dabei gehabt habe. Diesen könne sie leider nicht wechseln, meinte die Wirtin, nahm ihn aber trotzdem, und legte ihn in die Kasse. Heraus gab sie ihm einen Bierdeckel, auf dem sie ein Guthaben von gut 48 Mark notiert hatte. „Den kannste ja nach und nach einlösen!“ Typisch Tante Toni.

 

 

 

Kiepenkerl Wilfried im Kindergarten

 

Unser Kiepenkerl Wilfried verteilt Ostereier in den Metelener Kindergärten.

 

 

Mittlerweile ist es schon Tradition, dass der Kiepenkerl des Heimatvereins, Wilfried Opitz, kurz vor Ostern in seiner Tracht die Kindergärten im Ort besucht. Den gespannt zuhörenden Kindern erzählt er in seiner unnachahmlichen Art lustiges, aber auch beschwerliches aus dem Leben eines Kiepenkerls. Große Augen bekommen sie, wenn der Inhalt der großen Kiepe gezeigt wird: insgesamt 500 bunt bemalte Eier, gesponsert von der Fa. Anton Wessels, die nicht nur in den Kindergärten, sondern auch am Ostersonntag beim Abrennen des Osterfeuers an Plagemann´s Mühle verteilt werden.

 

 

 

 

1075-Jahrfeier der Gemeinde Metelen

Heimatverein zeigt Amateurfilm über das Ortsjubiläum 1964

Dieter Huge sive Huwe - Zeitungsgruppe Münster

 

Paul Mensing schilderte lebhaft, wie groß die Festtore an den Ausfallstraßen des Ortes waren, die anlässlich des Ortsjubiläums 1964 aufgebaut wurden.

Foto: Dieter Huge sive Huwe

 

 

Er war ein Heimatfilm im wörtlichen Sinne, den die Metelener Heimatfreunde am Mittwoch vor gut 100 interessierten und amüsierten Zuschauern zeigten. Vor 51 Jahren war das Material gedreht worden, anlässlich des damaligen 1075-jährigen Ortsjubiläums. Antonius Bothorn hatte in mühevoller Kleinarbeit die Filmschnipsel von fünf Hobbyfilmern zusammengeschnitten, vertont und zu einem mehr als zweistündigen Schmalfilm zusammengestellt.

 

Das Ergebnis war ein Streifen mit reichlich Aha-Effekten. Viele im Saal der Gaststätte von Josef Elling waren noch jung an Jahren, als 1964 das Ortsjubiläum gefeiert wurde. Paul Mensing schilderte, dass es damals einer Bürgerinitiative bedurfte, um überhaupt etwas auf die Beine zu stellen. Getreu der Devise „Dat mött doch fiert werden“ wurden 10 000 DM bei der Gemeindeverwaltung locker gemacht.

 

Der Zuschuss bildete den Grundstock für die Festwoche, welche das Festkomitee vorbereitete. „Wir haben damals das Fest in nur acht Monaten förmlich aus dem Boden gestampft, berichtete Mensing im voll besetzten Saal Elling und schilderte, dass 80 Sitzungen der Festwoche voraus gingen. Mit ins Boot holte das Komitee, in dem auch Hermann Averbeck, Walter Schründer, Willi Iking, Albert Tietmeyer und Theo Wiedau saßen, Gewerbebetriebe des Ortes.

 

Bei Gebhard und Rawe wurden Wimpel genäht – in rot und gelb-gold, den Farben des Gemeindewappens. Nachbarschaften fanden sich zusammen, um zu schmücken. „Die versuchten sich gegenseitig zu übertrumpfen“, erinnerte sich Mensing. Schaufenster wurden mit Szenen der Ortsgeschichte dekoriert, Festtore an den Ausfallstraßen aufgebaut. Besondere Aktion: Als Landsknechte kostümierte Metelener „lauerten“ dort den wenigen Autos auf, die die Tore passieren mussten und kassierten „Maut“ – fürs Ortsjubiläum.

 

Was Mensing nicht unerwähnt ließ: Das Jubiläum war seinerzeit Anlass für die Menschen im Ort, enger zusammen zu rücken. Nicht nur die Nachbarschaften blühten auf. Sogar die Schützenvereine, die sich teils spinnefeind waren, kamen erstmals zu einem Kaiserschießen zusammen. Dies war nur einer der Höhepunkte der Festwoche, die ein großer Umzug abschloss.

 

Der Film in der damals üblichen Super-8-Schmalfilmtechnik zeigte dies alles in bewegten und die Zuschauer auch bewegenden Bildern. Antonius Bothorn, einst Uhrmacher im Ort, bediente den Projektor und obwohl die Leinwand ein eher überschaubares Maß hatte, erkannten sich viele im Saale wieder in einzelnen Szenen des Heimatfilms. „Wat da los war!“ entfuhr es einem Heimatfreund spontan, als die Parade der Schützenvereine anlässlich des Kaiserschießens über die Leinwand flimmerte. Platzkonzerte, der Tag des Sportes, die große Fronleichnamsprozession in der Festwoche – dies alles war zu sehen. Und natürlich immer wieder kleine Szenen am Rande, die für Gesprächsstoff bei den Gästen des Heimatkinos sorgten.