Vortragsreihe 2009 bis 2013

Regionalgeschichtlicher Arbeitskreis Kulturraum Scopingau

in Zusammenarbeit mit LEADER, Lokale Aktionsgruppe Steinfurter Land e.V.

und dem Institut für die Geschichte des Bistums Münster an der Univeristät Münster  

 

Projektzeitraum: 2009 bis 2013    Ansprechpartner: Dr. Jürgen Schmitter

   

 

2009

Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti, Vallendar

Die Christianisierung des westlichen Münsterlandes bis zum 9. Jahrhundert,

insbesondere des Scopingaus

24. November 2009, 20 Uhr, Altes Rathaus Schöppingen

 

 

 

 

 

Schöpfen, nicht Schafe

Freitag, 27. November 2009  |  Quelle: Westfälische Nachrichten (Schöppingen)

Schöppingen - Der Ortsname Schöppingen stammt vermutlich vom Wort „schöpfen“ ab. So die Erklärung von Manfred Becker-Huberti, Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, bei seinem Vortrag am Dienstagabend. Sein Thema: „Die Christianisierung des westlichen Münsterlandes bis zum 9. Jahrhundert, insbesondere des Scopingaus“.Die Schöppinger Kirche sei zwischen 785 und 792 ganz bewusst an einer Quelle gebaut worden. „Zum Taufen braucht man fließendes Wasser“, betonte Becker-Huberti den über 100 Zuhörern im fast überfüllten Saal des Alten Rathauses. Für die Taufe musste Wasser aus dem Bach geschöpft werden, daher vermutlich der Name.Als fast ausgeschlossen bezeichnete er die heute gängige Erklärung, die den Namen auf Schafe zurückführt, die seit 1583 im Stadtwappen geführt werden. „Geben Sie dem Schaf ein Kreuz, das passt eher“, scherzte Becker-Huberti in Anspielung auf das Lamm Gottes und die Verbindung zur Kirche.Gerade die Schlussphase des Vortrags und die anschließende kurze Diskussion enthielten regionale und lokale Informationen, deretwegen die meisten Gäste wohl gekommen waren. Zuvor ratterte Becker-Huberti lange Zeit Namen und Jahreszahlen zum Thema herunter. Dabei fing er mit der Taufe Chlodwigs im Jahr 496 an. Die Besucher hörten fast endlos viele Zahlen, Stammesnamen, Könige, Missionare und Städte. Wer nicht ein großes Vorwissen mitbrachte, wurde mit Fakten überhäuft. „Der Vortrag war anstrengend“, empfand so auch Jürgen Schmitter, der mit dem Arbeitskreis Kulturraum Scopingau den Vortrag organisiert hatte. Da kein Beamer aufgebaut worden war, konnte Becker-Huberti seine Ausführungen auch nicht mit Bildern auflockern und verdeutlichen.Die Schöppinger Kirche war eine von vermutlich 38 Kirchen, die Münsters erster Bischof Liudger gründete. Und das noch teilweise vor seiner Zeit als Bischof. Liudger wurde erst am 30. März 804, einem Karsamstag, zum Bischof geweiht. „Heute ist Karsamstag der einzige Tag im Jahr, an dem kein Gottesdienst stattfinden darf“, sagte Becker-Huberti. So hätten sich die Zeiten geändert. Jahre zuvor hatte Liudger die Ernennung zum Bischof von Trier abgelehnt, weil er sich mehr als Missionar sah.Die Missionierung war auch sein Ziel im von Westsachsen bewohnten Münsterland. Im Abstand von Tagesmärschen hatte Frankenkönig Karl der Große Stützpunkte errichten lassen. Diese dienten später als Kirchenstandorte. Sie waren damit durch die militärischen Depots geschützt.