Münstersche Zeitung, Elvira Meisel-Kemper

 

 

Metelens Gründungsgeschichte: 

Historisches Interesse an der Geschichte Metelens wurde schon immer durch viele Angebote genährt. Besonders magnetisch wirkt es allerdings, wenn bisherige Sichtweisen auf die Geschichte durch neuere Forschungen in Frage gestellt werden. Am Mittwochabend war diese Stimmung im Sitzungssaal des Alten Amtshauses besonders spürbar

 

 

 Das Interesse am Vortrag über Metelens Gründungsgeschichte war rege.
Foto Elvira Meisel-Kemper


Historisches Interesse an der Geschichte Metelens wurde schon immer durch viele Angebote genährt. Besonders magnetisch wirkt es allerdings, wenn bisherige Sichtweisen auf die Geschichte durch neuere Forschungen in Frage gestellt werden. Am Mittwochabend war diese Stimmung im Sitzungssaal des Alten Amtshauses besonders spürbar.

Dr. Claudia Moddelmog, Historikerin aus Zürich, zog mit ihrem Vortrag "Metelen ohne Billunger - Hauskloster ohne Haus" Interessierte aus Metelen und den Nachbargemeinden an. Dr. Jürgen Schmitter (kl. Foto) hatte sie im Namen des Arbeitskreises "Kulturraum Scopingau" dazu eingeladen. Veranstalter war die Gemeinde Metelen, organisatorisch unterstützt von Mitgliedern der Kulturinitiative Metelen (KIM). Konkreter Anlass waren die Jahresfeierlichkeiten "1125 Jahre Metelen".

"Ich hoffe, wir werden aus berufenem Munde die ganze Wahrheit erfahren", äußerte sich Bürgermister Helmut Brüning erwartungsvoll. "Vielleicht müssen wir Abschied nehmen von Friduwi aus dem Geschlecht der Billunger", differenzierte Schmitter die Erwartungshaltung.

Damit traf Schmitter ins Schwarze, denn Moddelmogs Vortrag war ein Zwischenbericht, noch kein Endergebnis ihrer Forschungen. Metelen gehörte zu einer Kette von Klostergründungen, die im frühen Mittelalter von Sachsen entlang der Fernstraßen auch im Münsterland stattfanden, belegt durch originale Gründungsurkunden der Jahre 889 und 993.

Neu übersetzt:

Moddelmog übersetzte die Metelener Gründungsurkunden neu und stieß auf Fehlerquellen, die offensichtlich ungefragt über Forschergenerationen hinweg weitergereicht wurden. "Im 14. Jahrhundert beginnt erst die Legende von den Billungern, die Metelen gegründet haben sollen", räumte Moddelmog mit einer Gewissheit auf. "In Sachsen explodiert die Klosterlandschaft und sie explodiert auf weibliche Weise", bestätigte Moddelmog die Zusammenhänge der Metelener Klostergündung mit den sächsischen Gründungen.

Aus Sachsen stammen die Billunger. Sie waren wahrscheinlich Vermittler zwischen dem Königshaus und dem Metelener Kloster und ihren Äbtissinnen, als es 993 darum ging, den Zugriff des Bischofs von Münster auf das Kloster zu verhindern. "In Metelen ist man gut beraten, wenn man nicht zu sehr nach den Billungern fragt", beendete Moddelmog den Zwischenbericht ihrer Forschungen.

Das Publikum haderte offensichtlich mit der Unterscheidung der Begriffe "Verwandtschaft" und "Geschlecht". "Wie wird das Wort in der Zeit verstanden? Das sind die Fragen, die wir heute stellen müssen", ließ Moddelmog eine konkrete Antwort offen.

Bedenken, dass das Metelener Kloster keine adlige Gründung gewesen sei, wischte sie vom Tisch. "Die bisherige Genealogie hilft mir bisher sehr wenig. Der Wichmann, der 1016 in Vreden bestattet ist, den sollte man unbedingt genauer untersuchen", gewährte Moddelmog einen Ausblick in ihre weiteren Forschungen.

"Die Arbeit der Historiker kann Legendenbildung in Frage stellen. Damit müssen wir leben", bedankte sich Schmitter bei Moddelmog.

 

 

 

 

Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus

 

Hrsg.: Thomas Flammer, Ulrich Klisa, Jürgen Schmitter

 

Eine Vortragsreihe (2009 – 2014) des regionalgeschichtlichen Arbeitskreises

Kulturraum Scopingau und des Instituts für die Geschichte des Bistums Münster

an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Zusammenarbeit mit

LEADER, lokale Arbeitsgruppe Steinfurter Land e.V.

 

Zur Einführung:

 

Das vorliegende Buch Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus dokumentiert das Ergebnis der Projektarbeit über einen Zeitraum von fast neun Jahren (2006 – 2014) des regionalgeschichtlichen Arbeitskreises Kulturraum Scopingau, der am 23. März 2006 auf der ILEK-Werkschau in Schöppingen erstmalig vorgestellt wurde. Zur Gründung des Arbeitskreises im Alten Rathaus in Horstmar berichtete die Zeitschrift  Heimatpflege in Westfalen in Heft 6 (2006):

„Im Rahmen des 2005/6 erarbeiteten „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes – ILEK“ der sechs Gemeinden Horstmar, Laer, Metelen, Neuenkirchen, Schöppingen und Wettringen hatte sich ein Arbeitskreis „Kulturraum Scopingau“ gebildet, dessen Projektpatenschaft Dr. Jürgen Schmitter aus Metelen übernahm. Das Projekt soll regionalgeschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge des Gebietes dieser ILEK-Gemeinden aufarbeiten und regionalgeschichtliches Wissen entsprechend interessierten Bürgerinnen und Bürgern vermitteln.

Einerseits soll das Bewusstsein für diesen Kulturraum, der Kreisgrenzen überschreitet, geschärft und andererseits noch nicht ausreichend geklärte geschichtliche Zusammenhänge aufgeklärt werden. Damit möchte der Arbeitskreis nicht in Konkurrenz zu den Kreisheimatbünden Steinfurt und Borken und zu den einzelnen Heimatvereinen dieser Gemeinden treten, sondern deren Arbeit, die meist lokalgeschichtlich orientiert ist, ergänzen.“(Seite 14)

 

Bis heute ist vielen Menschen, die in dieser Region des westlichen Münsterlandes leben und arbeiten, unbekannt, dass es sich – historisch gesehen – zur Zeit des Frankenreiches im 9. Jahrhundert, also zur Zeit Karls des Großen - um sächsisches Gebiet handelt, das in „Gaue“ aufgeteilt wurde, ohne dass es schon feste Verwaltungsgrenzen gab. Der lateinische Name war „pagus scopingus“; daraus leitet sich sprachlich das heutige „Schöppingen“ ab.

 

Der Arbeitskreis tagte zunächst im Alten Rathaus in Horstmar, dann abwechselnd in den Heimathäusern der Heimatvereine von Metelen und Wettringen. Begleitet von der örtlichen und regionalen Presse und unterstützt von den Bürgermeistern der beteiligten Orte wurde ein mehrjähriger Vortragszyklus entwickelt, wie er sich in etwa im Inhaltsverzeichnis dieses Buches widerspiegelt.

Ständige Mitglieder des Arbeitskreises, die ehrenamtlich tätig waren und allen Schwierigkeiten bei der Gewinnung der Referentinnen und Referenten trotzten und nie resignierten, waren: Pfarrer Wolfgang Böcker aus Schöppingen, Bernd Dircksen aus Wettringen, Prof. Dr. Anton Janßen aus Horstmar, Dr. Jürgen Schmitter aus Metelen; später hinzu kamen Rolf Cyprian, Altbürgermeister aus Wettringen und Dr. Ulrich Klisa aus Metelen. Neben der konzeptionellen Planung und der organisatorischen Vorbereitung – zum Teil durch die jeweiligen Heimatvereine – musste die finanzielle Seite des Projektes gesichert werden. Unterstützung bis hin zur Veröffentlichung des Vortragszyklus in diesem Buch fand sich ab  dem Jahr 2009 einerseits durch die Lokale Aktionsgruppe Steinfurter Land e.V. von LEADER (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raumes) und durch Anke Biehl von der Geschäftsstelle, andererseits durch das Institut für die Geschichte des Bistums Münster an der Westfälischen Wilhelms-Universität und seinen Leiter Dr. Thomas Flammer. Ein spezieller Forschungsauftrag zur Christianisierung des Scopingau im 8. Jahrhundert, den Heinz Adrian Hartke durchführte und dessen Ergebnis 2013 veröffentlicht wurde (herausgegeben von Rolf Cyprian und Bernd Dircksen) wurde von der Volksbank Ochtrup/Wettringen und der Volksbank Gronau/Ahaus finanziell unterstützt.

 

Der Vortragszyklus umfasste fünf Abende mit Referat und anschließender Diskussion:

 

Schöppingen, 24. November 2009, Manfred Becker-Huberti:

Die Christianisierung des westlichen Münsterlandes bis zum 9. Jahrhundert;

 

Wettringen, 23. November 2010, Bernhard Laukötter:

Die Rolle der adeligen Frauen und die Bedeutung ihrer Klöster im Scopingau;

 

zuvor berichtete Bernd Dircksen über

Franko von Wettringen, den Stifter des Augustinerinnenklosters in Langenhorst;

 

Horstmar, 8. November 2011, Ralf Klötzer:

Die „Wiedertäufer“ in Münster und im westlichenMünsterland;

 

zuvor informierte Anton Janßen über die

Horstmarer Burg, einst eine bedeutende Landesburg der münsterschen Fürstbischöfe;

 

Metelen, 15. Mai 2013, Edeltraud Klueting:

Chronistik und Geschichtsschreibung in Frauenklöstern und Damenstiften im westlichen Münsterland;

 

zuvor gab Joachim Fontaine eine

Einführung in die Geschichte des Klosters und Stiftes Metelen;

 

Wettringen, 19. November 2013, Thomas Flammer:

Kirche im Münsterland nach 1945;

 

zuvor stellte Heinz Adrian Hartke seinen Forschungsbericht

„Christianisierung des Scopingau (westliches Münsterland) im 8. Jahrhundert“ vor.

 

Am 26. März 2014 wird  Claudia Moddelmog innerhalb des Festjahres „1125 Jahre Metelen“ über das Kloster Metelen – eine frühmittelalterliche Stiftung der Billunger in Sachsen – referieren.     

 

 Die Organisatoren dieser Abende, ehrenamtlich engagiert, waren immer wieder  über den unerwarteten Erfolg durch ein hohes Zuhörerinteresse überrascht; so waren z.B. 2011 in Horstmar fast 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend. Aber es zeigte sich auch, das das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer abhängt vom Vorwissen und auch den Vorurteilen, z.B. über die Lebensformen der Täufer (in Horstmar) und den lokalen Gegebenheiten (z.B. Franko von Wettringen). Daher ist es weiterhin für eine kritische und aufklärende Regionalgeschichtsschreibung notwendig, über den Tellerrand der Lokalgeschichte (und der Lokalpolitik) hinauszublicken. Darüber hinaus zeigte sich in der Vorbereitung der Vorträge, dass der Scopingau im westlichen Münsterland einen relativ weißen Fleck auf der Landkarte westfälischer Kirchengeschichtsschreibung darstellt; ganz anders als die Situation bezüglich des Stiftes Vreden (im heutigen Kreis Borken) oder im östlichen Münsterland (vgl. Freckenhorst oder das Bistum Paderborn). Daher wollen die folgenden Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus dazu beitragen, Zusammenhänge und Entwicklungen aufzuzeigen und das historische Bewusstsein zu schärfen.